Apotheke an den drei Hasen Oberursel

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Apotheke an den drei Hasen
 

Zeitungsartikel der Oberurseler Woche vom 23. August 2018

oberurseler_woche_2018-08-23

 

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Um 19 Uhr schließt die Apotheke an den Drei Hasen. Die Lichter im Verkaufsraum gehen aus, die sieben Mitarbeiterinnen von Katharina Abler verabschieden sich nach und nach in den Feierabend. Dann wird es nicht nur draußen dunkel, sondern auch plötzlich ganz ruhig im Oberurseler Gewerbegebiet. Das ist der Zeitpunkt, an dem Katharina Abler noch ein wenig durchatmen kann. Ihr Arbeitstag ist heute noch lange nicht zu Ende, denn die Apotheke an den Drei Hasen ist an diesem Freitag mit dem Notdienst dran.

Das heißt, bis zum nächsten Morgen um 8.30 Uhr ist die approbierte Apothekerin Anlaufstelle für alle Kunden im Gebiet Oberursel, Friedrichsdorf und Bad Homburg, die dringend Medikamente benötigen. Zeitgleich mit Katharina Abler sitzt auch ein Kollege in der Apotheke Kirdorf und schlägt sich dort die Nacht um die Ohren.

Hinter dem Verkaufsraum liegt ein kleines Büro, und dort brennt jetzt noch Licht. Eine Sitzgruppe und einen Arbeitsplatz mit Computer gibt es hier. Die Bänke und der Tisch lassen sich, wie in einem Campingwagen, mit ein paar Handgriffen in ein Bett verwandeln. Katharina Abler bereitet ihr Lager schon mal vor und holt die blaue Bettwäsche aus dem Bettkasten. Viel Schlaf wird sie allerdings heute Nacht nicht bekommen, doch davon ahnt sie zu diesem Zeitpunkt noch nichts.

Im Ruheraum gönnt sich die Weißkirchenerin erst mal eine Stärkung, nachdem sie zuvor noch die eingegangenen Rezepte des Tages kontrolliert hat. In einer Tupperdose hat sie sich zwei Stücke Pizza Margherita mitgebracht, dazu gibt es ein Glas Wasser. „Normalerweise lese ich während des Nachtdienstes ein schönes Buch oder surfe auch mal im Internet“, erzählt Abler, die mit 20 Jahren aus Polen nach Deutschland kam, um in Freiburg Pharmazie zu studieren. Seit 1999 lebt die Mutter zweier Söhne inzwischen in der Brunnenstadt. Die Jungs sind heute 15 und 20 Jahre alt und stören sich nicht daran, dass ihre Mutter alle vier Wochen in der Apotheke übernachten muss.

Katharina Abler kaut gerade noch an dem letzten Bissen, schon ertönt das erste Mal der sonore Summton, der anzeigt, dass jemand draußen am Nachtschalter den Klingelknopf gedrückt hat. Es ist genau 19.25 Uhr. Ein Mann holt ein Antibiotikum und ein Mittel gegen fest sitzenden Husten für seine Frau ab. „Sie leidet sehr“, erklärt er an Katharina Abler gewandt. Die Apothekerin wiederum macht den Mann darauf aufmerksam, dass das Antibiotikum sich nicht mit Milchprodukten verträgt.

Keine Viertelstunde später ertönt der Summer aufs Neue. Der nächste Kunde braucht ein Antibiotikum für ein Kind und ein Fieber senkendes Mittel. Danach kommt eine Dame an den Nachtschalter, die auf Geschäftsreise ist. „Ich lebe in der Schweiz und habe deshalb nur Franken im Portemonnaie“,erklärt sie entschuldigend. „Mein Kollege ist plötzlich krank geworden und braucht ein Antibiotikum, kann ich das vielleicht mit Karte zahlen?“

Für die Ausländerin macht Katharina Abler eine Ausnahme und öffnet die verschlossene Vordertür, damit die Kundin das EC-Gerät am Tresen nutzen kann. Eine junge Frau schlüpft auch noch mit der Schweizerin hinein. „Einmal Paracetamol und eine kleine Tube Voltaren“, bittet sie, als sie an der Reihe ist. „Eigentlich“, erklärt die Apothekerin, „kommen ab 20 Uhr für jeden Kunden 2,50 Euro Nachtgebühr zu den Kosten dazu. Aber jetzt ist es gerade eine Minute über der Zeit, da kassiere ich die Gebühr nicht sofort“, entscheidet Abler.

Angst hat sie während ihrer Nachtschicht nicht. „Ich fühle mich hier sehr sicher“, sagt sie. „Bis jetzt hatte ich auch noch keine Probleme. Natürlich, manche Kunden werden auch mal sauer, wenn ich ein Präparat nicht da habe“, weiß die Apothekerin. „Aber damit kann ich leben.“ Etwa alle 15 Minuten klingelt es heute Nacht. „Das geht schätzungsweise bis 23 Uhr so“, vermutet Katharina Abler und spricht dabei aus Erfahrung. 2003 hat sie sich mit ihrer ersten Apotheke in Bommersheim selbstständig gemacht und seitdem viele Notdienste übernommen. Die Hubertus-Apotheke hat sie allerdings im vergangenen Sommer aus wirtschaftlichen Gründen wieder geschlossen.

Zurück ins Hier und Jetzt. „Momentan sind Allergien, Bindehautentzündungen und Erkältungen akut“, weiß die 51-Jährige. „Daher sind Antibiotika und Schmerzmittel die Produkte, die heute Nacht am häufigsten verkauft werden. Um 21.28 Uhr meldet sich der inzwischen neunte Kunde an diesem Abend am Nachtschalte

r. Er hat starke Bauchschmerzen und schaut erleichtert, als Katharina Abler an den Schalter kommt. Die Apothekerin erkundigt sich nach der Art der Schmerzen und empfiehlt schließlich Iberogast. „Ich habe schon immer den Drang verspürt, Menschen helfen zu wollen, deshalb habe ich auch diesen Beruf ergriffen“, erklärt sie und lächelt.

Ihr Fachwissen ist auch beim nächsten Kunden gefragt. Inzwischen ist es 21.35 Uhr und ein Mann möchte eine Salbe für sein Kind holen. Es habe einen eitrigen Abszess, erläutert der Mann, doch Kat

harina Abler schüttelt am Ende seiner Schilderung mit dem Kopf. „So etwas kann durchaus gefährlich werden“, weiß sie und rät dem Mann deshalb, den Kleinen lieber einem Arzt vorzustellen.

Kaum hat sich die 51-Jährige wieder auf ihren Drehstuhl gesetzt, klingelt diesmal das Telefon. Es geht um eine schwangere Frau, die ein Magen-Darm-Virus quält und die nichts bei sich behalten kann. Auch hier rät Abler, einen Arzt aufzusuchen, sofern sich der Zustand nicht bald bessert. Inzwischen ist es 22 Uhr und die Apothekerin kann ein herzhaftes Gähnen nicht länger unterdrücken.

„Jetzt kommt meine schläfrige Phase“, sagt sie. Lange kann sie nicht entspannen – schon sieben Minuten später klingelt der Mann mit der schwangeren Frau am Nachtschalter und holt Zäpfchen für die Geplagte.

Gegen 22.34 Uhr ebbt der stetige Strom der Kunden etwas ab. „Ich glaube, ich lege mich jetzt hin“, beschließt Katharina Abler. Eine kluge Entscheidung, denn die Nacht wird kurz. „Normalerweise wird man nach Mitternacht alle zwei Stunden geweckt“, so die Expertin, doch heute soll es anders kommen. Das Resümee einer ziemlich müden Apothekerin am nächsten Morgen lautet: „Das war einer der härtesten Nachtdienste, die ich je hatte. Jede Stunde musste ich raus, erst gegen Morgen wurde es ruhiger.“ Der letzte Kunde erschien um 4 Uhr, um eine Milchpumpe auszuleihen, die die Apothekerin zum Glück auch da hatte.

An die 20 Menschen hat Katharina Abler während ihrer Schicht mit Medikamenten und Rat versorgt. Im Laufe der Jahre hat sie allerdings auch die Erfahrung gemacht, dass das Wörtchen „Notfall“ relativ ist. „Es ist schon bitter, wenn man mitten in der Nacht von jemandem aus dem Schlaf gerissen wird, der ein Abführmittel haben möchte“, gibt Katharina Abler zu, auch das ist ihr nämlich schon passiert. „Ich kenne sogar Kollegen, die von Leuten rausgeklingelt wurden, die Geld für den Zigaretten-Automaten wechseln wollten.“ Und zumindest bei dieser Indikation gilt die Aufforderung „Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“ definitiv nicht.

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